Schöner parken

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Als er den Parkplatz gestern fand

Weil dort kein andres Auto stand

Da lachten ihm noch Herz und Seele

Kein Rumgejammer und Genöle

Es blühten die Bougainvilleen

„Hier möcht wohl jedes Fahrzeug stehen.“

Das Schicksal war ihm wohlgesonnen

Das Strähnenglück hatte begonnen

So schien es. Nein: er war sich sicher.

Er schloss den Wagen ab, dann schlich er

Sich flugs davon, damit nicht schnell

Ein Polizist eventuell

Erschiene und ihm nahelegte

Das teure und auch gut gepflegte

Gefährt doch anderswo zu parken

(Denn wer markiert nicht gern den Starken)

Die Nacht verlief noch ruhig und friedlich

Der Morgen drauf nicht unterschiedlich

Beim Kaffee b.z.w. beim Tee

Da war die Welt auch noch okay

Dies änderte sich aber dann

Als seine Fahrt zum Dienst begann

Beziehungsweise eben nicht

Es war ihm nämlich leider schlicht

Nicht möglich, seinen plötzlich braunen

Viertürer anders zu bestaunen

Als aus der sicheren Distanz.

Er überlegte kurz und fand’s

So schlimm bei Licht besehen nicht

Denn die Moral von der Geschicht:

„Na wenigstens heut nicht im Stau…“

Ein Hoch auf Indiens Straßenbau!

 

Indischer Dreisatz

1)
Meine Autorikscha brauchte heute im Stau vom Campus bis zu mir nach Hause eine Stunde.
Der Campus liegt fünf Kilometer von meiner Wohnung entfernt.
Frage: Wie schnell ist die Rikscha durchschnittlich unterwegs gewesen?

2)
Auch in Indien herrscht beim Motorradfahren Helmpflicht.
Jeder männliche Sikh muss einen Turban tragen.
Frage: Welche Helmgröße benötigt er?

3)
In Indien wird mehr Whisky konsumiert als in der gesamten restlichen Welt zusammengenommen.
Nur etwa ein Fünftel der indischen Bevölkerung trinkt Alkohol.
Frage: Wie bekommt man die restlichen 80 Prozent satt?

4)
Die Anzahl der streunenden Hunde in Delhi wird auf 260.000 geschätzt.
Delhis Stadtverwaltung möchte in einem jeweils siebenmonatigen Trainingsprogramm Straßenhunde zu Sicherheitshunden ausbilden lassen.
Frage: Wie viel Mathematikkenntnisse muss man nachweisen, um Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Delhi zu werden?

5)
Die Feinstaub-Belastung in Delhi liegt 13mal über dem von der WHO als noch verträglich eingestuften Limit.
Der Rauch einer Zigarette der Marke „Classic“ enthält etwa 12 Milligramm Teer.
Frage: So what?

6)
In der Deutsch-Hausaufgabe sollen die Studenten den Begriff „Freundschaft“ definieren.
Ein Student schreibt: „Freundschaft ist eine starke Verklebung zwischen seltsam Personen, die zusammen aus unterschiedlichen Familien kommen.“
Frage: Welche Note erhält der Student?

7)
In Delhi sind 35 Kläranlagen an 21 Orten installiert. Nur 18 davon funktionieren. Sie erfassen 40 Prozent der Abwässer. Der Rest fließt unbehandelt in den Yamuna-Fluss oder versickert im Boden. Der Yamuna liefert 70 Prozent des Trinkwassers für die Stadt.
Frage: Kann ich mal kurz auf Toilette, Herr Lehrer?

8)
Das Vermögen des Bollywood-Schauspielers Shah Rukh Khan wird auf 600 Millionen Dollar geschätzt.
Knapp 50 Prozent der indischen Bevölkerung müssen mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen.
Frage: Käme das nicht hin?

9)
Indische Biere enthalten bis zu einem Viertel Glycerin.
Glycerin ist ein Frostschutzmittel.
Frage: Wo habe ich meine Aspirin bloß wieder hingelegt?

10)
Das Kreischen eines Halsbandsittichs erreicht 90 Dezibel.
Im Deer Park von Delhi leben exakt 375.620 Halsbandsittiche, die jeden Abend alle gemeinsam über mein Haus fliegen.
Frage: Wie bitte?

Im Namen des Vaters

Meine Autorikscha steht im Stau. Nichts geht mehr, zwanzig Minuten lang. Träge schaue ich auf die PKWs neben mir. An einem der Wagen prangt außen auf der linken hinteren Seitenscheibe der Abdruck einer Hand. Es ist eindeutig die Hand eines Kindes. Ein echter Abdruck aus Lehm und Dreck. Das scheint die Insassen nicht weiter zu interessieren oder zu stören. Sie schauen aus dem Fahrzeug zu mir herüber, an dem Abdruck vorbei, durch ihn hindurch. Der Abdruck sieht unheimlich aus, fast wie aus einem Film. Den Film aber kenne ich mittlerweile. Offensichtlich hatte eben vorher in einer Haltepause ein Straßenkind wieder einmal einen Handstand oder einen Überschlag oder so etwas vorgeführt. Auf der völlig verschmutzten Straße zwischen den wartenden Autos. Und dann an die Scheiben gepatscht und geklopft und um Geld gebettelt.

An meiner Universität gibt es einen Studenten, der ein verkürztes Bein hat, mit welchem er nicht auftreten und gehen kann. Ich sehe ihn fast jeden Tag, auch wenn er keiner meiner eigenen Studenten ist. Er bewegt sich an einer Krücke fort. Allerdings nicht an so einer üblichen, aus Metall und Kunststoff, mit Handgriff und mit Halteschiene für den Unterarm und mit Reflektoren an der Rückseite. Sondern an einem schweren, blanken, langen Stock. Er fasst diesen massiven Stab fest am oberen Ende, klemmt ihn zwischen Körper und Ellbogen, und hangelt sich dann so Schritt für Schritt vorwärts. Das Geräusch, das er dabei macht, kennt man aus Piratenfilmen. Seine Fortbewegung ist mühsam und kraftraubend, das sieht man. Mir kommt jedes Mal Jesus in den Sinn. Und ich bin jedes Mal aufs Neue verwundert. Natürlich gibt es auch in Indien zeitgemäßere Krücken. Vermutlich würde die Uni ihm sogar ohne Weiteres eine zur Verfügung stellen. Aber er nimmt lieber den Stock. Vielleicht aus reiner, jahrelanger Gewohnheit. Vielleicht möchte er aber auch etwas zeigen, etwas demonstrieren, etwas anprangern. Nur: was?

An der Universität gibt es Quotenregelungen für benachteiligte Kasten. Viele Studenten werden also, obwohl ihre Schulnoten eigentlich nicht ausreichend sind, aufgenommen, weil sie zu diesen Gruppen gehören. Die Benachteiligung soll auf diese Weise aufgehoben werden. Im Grunde wird sie sogar in eine Vergünstigung umgewandelt. Solange man als Angehöriger niederer Kasten solche Belohnungen und Vergünstigungen erwarten kann, besteht für das System selbst aber ja eigentlich kein Druck zur Veränderung. Und zwar von keiner Seite. Man kann die Quote sicherlich als hilfreichen und wichtigen Schritt zur Gleichberechtigung ansehen. Oder eben als perfide Strategie.
Manche der den niederen Kasten angehörenden Studenten versuchen, diesem komplexen und allgegenwärtigen System von Vorurteilen und sozialer Undurchlässigkeit zu entkommen, indem sie auf sämtlichen offiziellen Dokumenten, einschließlich meiner Kurslisten und Prüfungsunterlagen, ihren Familiennamen konsequent weglassen. Denn die Familiennamen sind in Indien so gut wie immer ein eindeutiger Indikator für die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kaste. Es steht dann also zwischen den ganzen Vor- und Zunamen der Studenten auf den Listen zwischendurch bisweilen ein einzelner Name, beispielsweise „Charu“ oder „Shivani“. Daran, dass dort nur der Vorname und kein Familienname geschrieben ist, erkenne aber selbst ich diese Studenten natürlich sofort als die, die sie nicht sein wollen.
Heilige Dialektik, hilf.

Während meiner Wohnungssuche schaute ich mir etwa 15 bis 20 Apartments an. Irgendwann auch ein akzeptables, allerdings für mich zu teures. Als der Makler, mit dem ich unterwegs war, erfuhr, dass der Vermieter mit Nachnamen „Jain“ heißt, war er auf einmal sehr froh und optimistisch. Beim Treffen mit besagtem Wohnungsbesitzer, als es um die Preisverhandlungen ging und darum, ob ich als Mieter in Frage käme, eröffnete mein Makler das Gespräch mit der Aussage, er selbst sei „Half Jain“. Sein Vater sei nämlich ein Jain. Dies fand der Vermieter anscheinend sehr gut. Im Anschluss an die Verhandlungen konnte ich in die Wohnung einziehen.

Wenn ich in Indien eine Handykarte beantrage, muss ich auf dem Dokument den Namen meines Vaters angeben. Wenn die Handykarte freigeschaltet wird, werde ich am Telefon nach dem Namen meines Vaters gefragt. In meinem Mietvertrag gibt es eine Rubrik: Name des Vaters. Zur Registrierung bei der Ausländerbehörde bitte den Namen des Vaters eintragen. Einen Internetanschluss bekommt man nur, wenn der Firma der Name des Vaters mitgeteilt wird. Und so fort. Schade, dass mein Vater das nicht mehr erleben kann.

Heute ist der Geburtstag von Gandhi. Genannt Bapu – Vater der Nation.

Kleine Typologie der indischen Biere

In Indien wird dem interessierten und üblicherweise dehydrierten Kunden in nahezu jedem Lokal, welches dafür personal- und kühlschranktechnisch auch nur annähernd ausgestattet ist, kurz nachdem er eine Flasche Bier geordert hat, ebenjene noch geschlossene Flasche vom jeweiligen Servicefachmann hingehalten wie in Europa eine Flasche Wein, deren Übereinstimmung mit der erfolgten Bestellung in punkto Jahrgang und Traube man doch bitte prüfen und gutheißen möchte, der Herr. Ein einziges Mal, genauer gesagt beim allerersten Mal, habe ich eine entsprechende Bemerkung Richtung armer überforderter indischer Kellner gemacht und vermutlich so etwas gemurmelt wie „Südhang, ausgezeichnet, schenken Sie ein, Sommelier!“. Seitdem aber weiß ich: Die Bierflasche wird mir schlicht hingehalten, um zu bestätigen, dass sie ausreichend gekühlt ist. Das allerdings ist eine ganz wunderbare Geste, muss ich aufrichtig sagen. Deutsche Scheibenabschneider, please stand in line! Das Bier, sofern es denn für kalt genug befunden wurde, will bzw. muss man dann natürlich aber auch trinken. Und da wird’s dann knifflig. Aus diesem Grunde hier:

Kleines (und unvollständiges) Delhi-Bier-Brevier für Einsteiger:

Kingfisher

Das indischWP_20150916_20_55_37_Proxye Bier. Der Namenspatron heißt auf Deutsch „Eisvogel“. Und das ist auch gut so. Beziehungsweise nicht nur gut, sondern auch schön. Flieg, kleiner Eisvogel, flieg! Möchte man ihm zurufen. Flieg ganz weit weg, in eine bessere Welt! Ein Bier wie ein leider noch nicht komplett zugefrorener See, auf dem man dennoch versucht, Pirouetten zu drehen. Und ständig einbricht. Oder zumindest bricht. Unbedingt stark gekühlt zu trinken (siehe Name). Dazu ein paar Eiswürfel ins Glas. Für den Geschmack.

 

 

Kingfisher Super StrongWP_20150831_21_39_15_Proxy

Die Alkoholangaben auf indischen Bieren sind gerne mal „von bis“. Also zum Beispiel „ > 5%“, aber „< 8%“. Das schafft Vertrauen beim in mathematischer Symbolentzifferung versierten Kunden, der ja sicher sein will, dass der Braumeister sein Handwerk auch wirklich versteht. Außerdem erweitert es den Markt. Wer nur eben mal ein Bierchen zwischendurch zwitschern möchte: Kingfisher Super Strong! Wer sich nach ein paar Halben auf der Intensiv wiederfinden möchte: Kingfisher Super Strong!

  

Kingfisher Ultra

Viele europäWP_20150902_21_58_38_Proxyische Menschen setzen sich freiwillig Strapazen aus, die Otto Normalmarathonläufer niemals bewältigen könnte oder wollte. Vor die Strapazen hat der liebe Gott das „Ultra“ gesetzt. Wer nach der letzten Etappe eines Kingfisher-Ultra-Flaschen-Triathlons noch weiß, wie er nach Hause kommt, hat gewonnen (eine Übernachtung vor der geschlossenen Bar).

 

 

 

HunterWP_20150901_20_02_10_Proxy

Die Australier weiten ihre ewigen Jagdgründe nun offensichtlich auch auf Indien aus.  Denn Tiger haben ja keine Kühlbeutel, mit denen kann man’s ja machen. Und die Landestemperaturen („Bei 45 Grad im Schatten werf ich doch meinen Braukessel nicht an!“) dürften ebenfalls vergleichbar sein. Also, Zielfernrohr justiert, und peng! Hunter, eine wunderbare Erfrischung an heißen Saunatagen ohne Sauna. Oder um beim Wein zu bleiben: Gut im Abgang. Beziehungsweise, um beim Bier zu bleiben: im Abflussrohr.

  

Dare Devil

Leichte NoWP_20150917_17_02_13_Proxyte von Schwermetallen und Erzen. Für den unbedarften Genusstrinker eine Herausforderung.  Aber, die Wissenschaft hat festgestellt, festgestellt, festgestellt: Dem Körper Mineralien zuzuführen, ist gerade für trinkende Menschen unabdingbar. Und wer kennt schon den Unterschied zwischen Erzen und Mineralien. Oder zwischen Mineralien und Mineralen. Hauptsache ist doch, dass es knallt. Diese Hausaufgabe wird jedenfalls hundertprozentig erfüllt. Setzen. (Trotzdem Sechs.)

 

 

Godfather

Am siebten Tage ruhte Gott. Er beschaute seine Schöpfung, und sah, dass alles gut war. Jeder Heimwerker kennt das. WP_20150917_17_02_57_Proxy Der neue Geräteschuppen für den Rasenmäher steht, die Abendsonne beleuchtet das Werk feierlich (siehe Gott), der Hausherr betrachtet seine Arbeit rechtschaffen zufrieden. Und genehmigt sich eine Pilsette. Gott mag es da damals nicht anders gegangen sein. Immerhin erschuf er uns nach seinem Bilde. Es ist also gar nicht unwahrscheinlich, dass er, der Herrgott selbst, am siebten Tage ein Bier trank. Sollte es sich dabei tatsächlich, wie der Name vermuten lässt, um ein indisches „Godfather“ gehandelt haben, dürfte allerdings endlich und für alle Zeiten die Frage beantwortet sein, warum wir seitdem so wenig von ihm gehört haben. Auf jeden Fall ein Angebot, das man nicht ausschlagen kann (aber unbedingt sollte).

  

Mahou Five Star

Die zarteste Versuchung, seit es „Godfather“ Bier gibt. Das Orginal-Backrezept befindet sich irgendwo in einem spanischen Safe. Wird in Indien trotzdem gekauft wie geschnitten Brot, respektive Chapati. Vermutlich weil der Name so schön nach Mahout klingt. Das, meine lieben Möchtegern-Tierpfleger, ist jedoch eine unzulässige Assoziation. Denn Elefanten erinnern sich bekanntlich ihr langes Leben lang an alles. Der Mahou-Five-Star-Konsument aber schon am nächsten Morgen an nichts mehr. Auch nicht daran, wohin er seine Kamera gelegt hat, um ein Foto von der Flasche zu machen.

  

Zingaro

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Werfen wir einen kurzen Blick auf die Rückseite des Etiketts: „For thousands of years, we have seen brave men ride horses. We have heard their stories of courage, pride and hard fought victories. Zingaro, mega strong premium beer is a celebration of these victories. It has the strength of a hundred horses. And the spirit of brave men. Men like you.“

Ääääh: Ja. Genau.

 

 

Carlsberg, Heineken, Foster’s…WP_20150905_21_21_27_Proxy

Ein Land, in dem die genannten Marken dem ver- bzw. entwöhnten Deutschen bereits als halbwegs akzeptable Biere vorkommen und in dem diesen Biermarken
von besagtem Deutschen, während fortwährend taubeneigroße Schweißtropfen auf den Boden platschen,  delirierend Attribute verliehen werden, welche mit Worten wie „immerhin“ und „wenigstens“ und „gar nicht so“ anfangen, ist ein Land, in dem man vermutlich wahrscheinlich ganz sicher besser Tee trinken sollte.

 

(Wird nach Selbstentlassung aus dem „Haus Sonnenschein“ in Delhi, Abteilung für klinische Toxikologie, fortgesetzt. Vielleicht.)

Holzweg

Heute musste ich nicht zur Uni und konnte von zu Hause aus arbeiten. Von 8:00 Uhr morgens bis 15:00 Uhr nachmittags saß ich am Schreibtisch und bekam tatsächlich auch einiges erledigt. Irgendwann fiel mir dann auf, dass ich heute noch gar nicht draußen gewesen war. Der Gedanke manifestierte sich allerdings etwas anders, sagen wir deutscher, und zwar in diesem Satz, der mir plötzlich durch den Kopf schoss: „Mensch, ich war heut noch gar nicht an der frischen Luft!“ Da musste ich dann aber auch gleich selber lachen.

Hauptstadt der Bewegung

Jedem Ausländer in Indien, egal woher er kommt, fällt eher früher als später die Kopfbewegung der Inder auf, mit der diese ihrem Gegenüber ihr Einverständnis signalisieren wollen. Es ist ein Kopfwackeln, das vermutlich im fast vollständigen Rest der Welt eindeutig als ein „Nein“ interpretiert wird. Meint aber „Ja“. Was naturgemäß jeden Touristen, Reisenden und Ausgewanderten in Verwirrung stürzt und seine Anekdotenerzählresistenz später auf eine harte Probe stellt. Von mir während der Zeit meiner Wohnungssuche gemeinsam im Stau stehend darauf angesprochen, meinte ein Makler zu mir, er wisse das manchmal selbst nicht. Also ob Ja oder Nein gemeint sei. Ein indischer Makler, wohlgemerkt. Sein Trick sei, dass er dem Gesprächspartner bei dessen Wackelübungen konsequent in die Augen gucke. So könne man die hinter dem Wackeln stehende Aussage dann doch immer gut erkennen. Der Makler hatte zudem eine These zu diesem Phänomen, die er mir bereitwillig mitteilte. Das Ganze habe nämlich mit dem Hinduismus zu tun. In dieser Religion gebe es bekanntlich keine Instanz, keine Schrift, keine Person, die den Menschen klar sage, was richtig oder falsch sei. Im Hinduismus ist quasi immer alles gleichzeitig richtig und falsch. Es kommt immer auf die Situation und auf den Kontext an. Der Makler war also im Grunde der Meinung, dass die Meinung, die ein Hindu kundtut, keine Meinung in dem Sinne sei. Ich war anderer Meinung und wackelte entsprechend mit dem Kopf.

Der Körper und seine Bedürfnisse sind in Indien ein Problem. Bei der Körperlichkeit handelt es sich um ein Problem, das so viele Auswirkungen und Dimensionen hat, dass ich darauf bestimmt noch häufiger eingehen werde. Wer nicht als Alien, Cyborg oder Android auf diese Welt kam, weiß, dass viele der menschlichen körperlichen Bedürfnisse mit der Berührung anderer Menschen zu tun haben. In Indien sind Berührungen zwischen Menschen selten. Zumindest in der Öffentlichkeit. Was man jedoch immer wieder sieht, sind Männer, die den Arm beim Gehen über die Schulter eines anderen Mannes gelegt haben. Manchmal halten sie einander auch an der Hand. Einige der Männer haben die Hand fest in den Fingern des anderen verschränkt. Andere berühren sich nur ganz leicht an den Handflächen. So gehen sie, miteinander sprechend, einander ihre Freundschaft bezeugend, die Straße entlang. Und ist die Straße zu Ende, wechseln sie am Ende der Straße nicht nur die Gehrichtung, sondern völlig selbstverständlich auch die Position der Hände. Alles bleibt wie gehabt, nur spiegelverkehrt. Es ist eine sehr zärtliche Geste.

Eine nicht vorhandene Bewegung in Indien: Das Gleiche zwischen Mann und Frau.

Zu bestimmten Anlässen wie Hochzeiten oder ähnlichem lassen sich viele indische Frauen mit Henna bemalen. Überall auf den Straßen bieten hierfür entsprechende Künstler ihre Dienste an. Sie benutzen dazu eine Art kleine Tube, aus der sie in einem sehr dünnen und feinen Strahl Henna spritzen, und zwar auf die Innenseiten der Hände und Unterarme der Frauen. Was dabei auf der Haut entsteht, sind höchst kunstvolle Muster, Arabesken, Verzweigungen, Girlanden, Ornamente. Diese Tätowierungen sind aber flüchtig. Im Gegensatz zu echten Tätowierungen verblassen sie schon nach einigen Tagen. Was in meinem Kopf nicht verblasst, ist dann auch weniger das Ergebnis an sich als etwas anderes: An all diesen Ständen sehe ich Frauen in seltsamen, unnatürlichen Haltungen. Sie strecken ihre Hände und Arme schräg dem Himmel entgegen, oder dem Mann, der die Arbeit ausgeführt hat, oder den Bäumen in der Umgebung, oder der leichten Brise, die die heiße Luft für einen Moment vermeintlich abkühlt und das lange Sitzen erträglich macht. Die Frauen sind dabei konzentriert, ernst und sich dessen, was sie tun, und wie sie es tun, sehr bewusst. Diese Hingabe und gleichzeitige Hinnahme, mit der sie die teils stundenlange Prozedur, bis das Henna eingewirkt ist, über sich ergehen lassen. Dieses Akzeptieren der Tatsache, dass sie während dieser Zeit nichts anfassen oder tragen oder bedienen können. Dieses Wissen um die Priorität des Geschmücktseins. Vollkommene Künstlichkeit und natürliche Würde im gleichen Moment.

Schwere Lasten werden in vielen Teilen der Welt von den Menschen auf dem Kopf getragen und so transportiert. Das ist in Indien nicht anders. Egal ob Ziegelsteine, ob riesige, in siebenfachen Schichten mit Klebeband verpackte Kartons, ob Behälter mit Lebensmitteln. Die Idee ist so einfach wie effektiv. Sie zwingt den Tragenden jedoch zu einer sehr aufrechten Körperhaltung. Mit langsamen, bedächtigen Bewegungen muss der Körper das enorme von oben drückende Gewicht beim Gehen ausgleichen, während der Kopf völlig ruhig gehalten wird. Mir kommt, wenn ich diese Menschen bei ihrer Arbeit sehe, immer wieder das Wort „elegant“ in den Sinn. Die Bewegung hat eine Schönheit, welche sich so manches Bücher auf dem Kopf balancierende Model in Vorbereitung auf den Catwalk vermutlich wünscht. Aber darf man das? Darf man die Eleganz der Bewegung einfach trennen von dem, was die Leute doch schließlich dazu zwingt: von Ausbeutung und Armut? Selbstverständlich, sage ich mir. Seit Kant darf man das nicht nur: man muss.

Die dreirädrigen indischen Autorikschas, als Fahrgast mein Hauptfortbewegungsmittel in Delhi, haben eine Art Mopedlenker und unten rechts im Fußraum noch ein Pedal, eine zusätzliche Bremse. Das linke Bein der Rikschafahrer hat jedoch während des Fahrens im Grunde nichts zu tun. Aus diesem Grunde versuchen die Fahrer oft, sich von der ganztägigen, anstrengenden und immer gleichen Sitzhaltung wenigstens ein bisschen zu entspannen. Sie winkeln dazu das freie linke Bein an und ziehen den Fuß auf die Sitzfläche hoch. Das Knie bleibt dabei aber nicht aufgestellt, sondern wird waagerecht nach außen gekippt, bis die gesamte Außenseite des Beines auf der Sitzbank liegt. Es handelt sich also um eine Art einseitigen, halbierten Lotussitz. Und so brausen sie dann, halb meditierend, wie ich mir zur Beruhigung einrede, bei 70 km/h in Zentimeterabständen zum Neben- oder Vordermann, dauerhupend durch Delhis völlig wahnsinnigen und regellosen Verkehr.

Das extreme Klima in Delhi erfordert häufiges und regelmäßiges Trinken. Besonders diejenigen, die draußen, im Freien arbeiten, ob Rikschafahrer oder Bauarbeiter, führen stets eine Plastikflasche mit Wasser mit sich. Von Zeit zu Zeit nehmen sie die Flasche und setzen sie an, um einige Schlucke daraus zu nehmen. Niemals jedoch setzen sie die Flasche wirklich an den Mund. Stets bleiben zwei oder drei Zentimeter Abstand zwischen den Lippen und dem Flaschenhals. So ergießt sich dann jedes Mal ein zwar kleiner, aber frei sichtbarer Wasserfall in die durstigen Kehlen. Vermutlich lediglich den hygienischen Umständen geschuldet, ist es doch eine Art zu trinken, die ich aus Deutschland nicht kenne. Sondern aus Piratenfilmen und Alexis Sorbas.

In manchen Geschäften oder kleinen Supermärkten steht hinter der Kasse an der Ausgangstür ein uniformierter Mann. Da die Geschäfte meist winzig sind, schaut er einem beim Bezahlen also quasi direkt über die Schulter. Man verstaut als Kunde seine soeben bezahlten Waren in der mitgebrachten Tasche oder angebotenen Plastiktüte und will gerade den Laden verlassen, da rührt sich etwas beim Kassierer wie bei dem Uniformierten. Da fehlt doch bitteschön noch etwas? Stimmt, man hat den Kassenbon ja noch nicht abstempeln lassen! Vorher wird man auf keinen Fall nach draußen in die freie Wildbahn entlassen. Also die Tasche wieder abgestellt, die Hälfte der Waren wieder ausgepackt, das Portemonnaie mit dem darin befindlichen Bon gesucht, und das wiederum steckt natürlich ganz zuunterst. Endlich hat man ihn gefunden, den Bon, und reicht ihn der Uniform herüber. Die betrachtet das lange Stück Papier aufmerksam. Dann wird ein kleiner Stempel herausgeholt und aufs Papier gedrückt. Diese Tätigkeit ist jedoch immer eine zutiefst wacklige Angelegenheit. Alles verrutscht und verknittert, der Stempelabdruck nimmt am Ende ein Drittel des Kassenbelegs ein. Keiner der uniformierten Männer, egal in welchem Geschäft ich bisher war, besitzt für seine Aufgabe, den Stempel auf das Blatt Papier zu drücken, nämlich eine irgendwie geartete feste Unterlage. Es scheint einfach keine zu geben. Die Hand, die am Ende des Arbeitstages dunkelblau eingefärbt ist, muss als Unterlage reichen. Keiner kommt auch auf den Gedanken, beispielsweise die Glastür selbst dafür zu benutzen. Alles bleibt einfach immer, wie es ist und wie es war. Verwackelt, verschrägt, verzittert, verlaufen, verquer. Und, was meine vermeintlichen Verbesserungsgedanken angeht, vergeblich.

In Indien wird viel mit den Händen gegessen. Das hat offensichtlich nichts weiter mit dem Bildungsniveau oder den finanziellen Möglichkeiten zu tun. Ich sehe (und tue) das auch an der Universität, und selbst Professoren formen ganz selbstverständlich ihre Reisklumpen und Brottäschchen und führen diese gefüllt und soßengetränkt zum Mund. Das Fehlen von Besteck verändert die aus dem Westen gewohnten Bewegungen beim Essen: Das Drehen, Krümmen und Tasten der Finger, bis die einzunehmende Portion gefertigt ist. Das spitze Anwinkeln der Hand, die das Essen zum Mund führt. Das Aufstützen des Ellbogens. Das vorsichtige Führen der Hand zum Mund, das leichte Vorrecken des Kopfes. Das anschließende Ablecken der Finger. Das Schweben dieser Finger über dem Essen, während man sich unterhält, und bevor der nächste Bissen geschaffen und genommen wird.

Die schönste Bewegung in Indien bis jetzt: Ein Mädchen mit langen schwarzen Haaren geht am Straßenrand entlang. Ein Mädchen noch im Grundschulalter. Das bedeutet vielleicht, dass seine ungewöhnlich langen Haare noch nie in seinem Leben abgeschnitten worden sind. Sie reichen ihm über den ganzen Rücken hinunter. Das Mädchen geht neben seinem älteren Bruder und trägt noch die Schuluniform. Weiße Bluse und karierter Rock. Eigentlich geht das Mädchen weniger als dass es hüpft. Es ist der typische spielerische Kindergang, mit einem Zwischenhüpfer auf dem Sprungbein, den es anscheinend überall auf der Welt gibt. Aber irgendetwas ist anders. Etwas ist neu. Das Mädchen hat dem Gang etwas hinzugefügt. Eine seitliche Ausweichbewegung des Kopfes. Bei jedem Schritt, mal nach links, mal nach rechts. Als würde das indische Kopfwackeln noch einmal um eine zusätzliche Dimension erweitert. Das Mädchen ist völlig versunken in das, was es tut. Es geht ihm einzig und allein um den Effekt. Und der ist, dass die langen schwarzen Haare bei jedem Schritt mit einer kurzen Verzögerung nach rechts und nach links nachschwingen. Oben nur wenig, unten weit und mit großem Ausschlag. Immer wieder. Rechts padamm, links padamm, rechts klickklack, links klickklack. Es ist ein ganz selbstverständliches Gleiten, ein wunderbares Zusammenspiel aller Körperteile, absolut fokussiert auf das eine, alleinige, hehre Ziel: dass die Haare so schön schwingen. Selbst die erwachsenen Inder an der Straße schauen dem Mädchen nach. Und lächeln.

Heute. (3)

Als ich in China lebte, hatte ich mir irgendwann angewöhnt, auf die dort dem Ausländer gegenüber allgegenwärtige Frage „Where are you from?“ gleich im Anschluss an meine Antwort immer die augenzwinkernde Gegenfrage zu stellen: „And where are YOU from?“ Damit erntete ich im Reich der Mitte durch die Bank und immer ein Lächeln. Weil ja immer und ausschließlich die gleiche Antwort kam und kommen musste: „Haha, China!“ Wenn ich diese Gegenfrage in Indien stelle, kommt kein Lächeln, es gibt keinen wohltuenden Moment der Ironie, sondern ich bekomme eine meist ziemlich ausführliche Antwort, wie die Stadt heißt, aus der mein Gegenüber kommt, wie das Bundesland, wie die Region, in der Nähe welcher anderen Region diese liegt, welche bekannten Sehenswürdigkeiten dort vorhanden sind usw. Keiner meiner Gesprächspartner hat bisher schlicht geantwortet: „From India.“ (Oder gar grinsend: „Haha, from India!“) China und Indien, beides sind Vielvölkerstaaten. Beides sind gigantische Konstrukte, mehr oder minder künstlich, und ähneln letztlich vielleicht mehr einem Imperium als einer Nation. Aber das überregionale Nationalgefühl, das hat die kommunistische Partei deutlich fester im Griff. Das muss in Indien offensichtlich erst noch entwickelt werden. Die hindunationalistische Regierung arbeitet kräftig daran.

Der Sensenmann ist in Indien kein unbekanntes Wesen. Es gibt Zigtausende davon. Auf den Grünanlagen gleich neben den Straßen, in den Parks, und selbst auf dem Campus. Zumindest nenne ich sie für mich so: Sensenmänner. Obwohl das, was sie in der Hand halten, nie eine Sense ist und auch nicht annähernd so aussieht. Eher ist es eine Mischung zwischen Schwert und Machete. Diese lange, dünne Metallklinge ist ihr Handwerkszeug: Sie holen damit weit aus und schwingen sie dann in gebückter Haltung immer knapp über dem Boden in großem Bogen durch. Gleichmäßig, gleichförmig, gleichmütig. So werden riesige Rasenflächen gemäht. Manchmal arbeitet direkt neben ihnen ein anderer Schnitter, und man mag sich nicht vorstellen, was passiert, wenn die beiden einmal für einen kurzen, aber entscheidenden Moment etwas zu dicht nebeneinander stehen. Stellt man sich aber natürlich trotzdem vor. Und schreibt es dann auf.

Ein kleiner Junge läuft vor der Geschäftszeile auf und ab. Seine Haare stumpf und verklebt, vermutlich noch nie gewaschen, ebensowenig wie seine Kleidung, so scheint es. Er bettelt. Ich will ihm ein paar Münzen geben. Aber er schüttelt den Kopf, nimmt das Geld nicht an. Stattdessen sagt er „rice“, macht die Geste für „essen“ und weist mit der Hand mehrmals in den Laden, vor dem wir stehen. Also gehe ich hinein und kaufe ihm ein halbes Kilo Reis. Er nimmt den Beutel an sich und verschwindet. Ich bleibe verwundert zurück und frage mich, ob er selbst auf den Gedanken gekommen ist.

Ich wohne im vierten Stock. Von dort aus kann ich auf umliegende Dachterrassen schauen und habe zudem freie Sicht auf einige unter mir gelegene Balkons. Manchmal sehe ich morgens eine ältere Inderin, die sich auf einer kleinen Terrasse im zweiten Stock gegenüber wäscht. Sie kniet sich dazu hin, in der Hand hält sie einen kleinen Plastikbehälter mit Griff, und mit diesem schöpft sie Wasser aus einer größeren Wassertonne und begießt sich damit. Sie ist dabei nicht nackt, sie trägt Kleidung, eine Art Stofftuch. Trotzdem wende ich jedes Mal den Blick ab.

Vermutlich wäre es vermessen zu sagen, das JRD Luxury Boutique Hotel habe schon einmal bessere Tage gesehen. Eher wendet es seit vielen Jahren seine angestaubte Spiegelglas-Fensterfront ganz genau so der Straße in der Nähe meiner Wohnung zu, wie es das eben jetzt auch noch tut. Aber immerhin: Es handelt sich offiziell um ein Luxushotel. Sogar mit einem eigenen Spa und einem Restaurant wird aufgewartet. Weder in dem Restaurant noch an der Glasfassade, hinter der die Hotelzimmer liegen, sehe ich, wenn ich fast täglich dort vorbeikomme, jemals auch nur ein einziges geöffnetes Fenster. Der Grund dafür ist schnell gefunden. Direkt gegenüber dem Hotel, auf der anderen Straßenseite, in einer Kurve, befindet sich eine Müllkippe. Eine eher kleine zwar. Aber auf der Fläche dieses Müllberges könnte man immer noch ein Einfamilienhaus bauen. Solche Müllkippen sind in Delhi meist nicht von der Stadtverwaltung auf gesonderten, fernab von Wohngebieten liegenden Grundstücken untergebracht. Sie sind ein Teil der Straße, und mit den Jahren gewissermaßen in die Straße hineingewachsen. Aus dem Müllberg ragen an manchen Stellen noch Reste von großen Müllcontainern hervor. Wie zum Beweis dafür, dass das Geschwür hier irgendwann einmal eine normale Straßenkurve war, an der die Anwohner ihren Abfall entsorgen konnten. Heute ist die Müllkippe Rastplatz, Restaurant und vielleicht Wohnort für Krähen und vermutlich andere Tiere. Es arbeiten auch Menschen dort. Sie durchforsten und sortieren den Müll. Der Gestank ist bei den derzeitigen Temperaturen bestialisch. Einmal kommt mir auf der Straße ein Mann auf dem Weg zur Kippe entgegen, der irgendwoanders Abfall gesammelt hat. Er zieht angestrengt eine bis obenhin angefüllte Mülltonne aus Plastik hinter sich her. Das Ganze macht einen großen Lärm, der sogar den Straßenlärm übertönt – der Mülltonne fehlt unten eines der beiden Räder. Rumpelnd schleift er sie, stoisch und völlig selbstverständlich, hinter sich her. Langsam, verschwitzt, ausdruckslos. Die Mülltonne, voller Müll, gehört auf den Müll, das ist offensichtlich. Die Müllkippe gehört nicht vor das Luxushotel. Der Luxus, das Elend. Das ständige Nebeneinander. Das Gleichzeitige. Das Überhaupt. All das soll doch so eigentlich nicht sein. Sondern anders. Irgendwie besser. Und doch. Es ist, als wolle Delhi, als wolle Indien mir ständig etwas zurufen, irgendetwas Wichtiges mitteilen. Wie ein fortwährendes Brüllen direkt ins Ohr fühlt sich das an: „Kapierst du das endlich? He, du! Deutscher! Begreifst du das jetzt??“ Und schon nach diesen wenigen Wochen habe ich oft das Bedürfnis zurückzubrüllen und die ganze Stadt anzuschreien: „Ist ja gut, ich hab’s ja verstanden!!“ Aber ich wüsste, wenn ich darüber nachdenke, immer noch gar nicht zu sagen, was.